Zahnersatz

Tipps zu Zahnersatz & Zahnpflege

Parodontitis – Probleme mit dem Zahnfleisch?

Wenn man in der Werbung Parodontose hört, kann man meist nicht viel mit diesem Wort anfangen. Es gibt viele Formen der Parodontitis, und die Parodontose ist nur eine seltene Erkrankungsart davon!

Parodontose bedeutet, dass der Zahnhalteapparat mit Bakterien infiziert wurde und zur Entzündung übergegangen ist.

  • Marginale Parodontopathien: Ist der Vorgänger fast aller Parodontischen Erkrankungen. Marginal bedeutet am Rand. Bakterien dringen über den Zahnfleischrand in die Zahnfleischtaschen ein und lösen Entzündungen aus. Kann aber mit guter Zahnpflege und regelmäßiger professioneller Zahnreinigung (PZR) weitestgehend vermieden werden.
  • Akute Gingivitis: Wo das Zahnfleisch (Gingiva) am Zahn anfängt, ist eine ca. 1mm tiefe kleine Furche zwischen Zahn und Zahnfleisch. Wenn sich dort vermehrt Bakterien und Plaque festsetzen, beginnt der Körper sich natürlich zu wehren. Es treten weiße Blutkörperchen aus dem Zahnfleisch aus um den Kampf mit dem Gegner aufzunehmen. Normalerweise kein Problem, aber bei schon wenig Tage alter Plaque ist das Immunsystem überfordert. Das Zahnfleisch wird stärker durchblutet an dieser Stelle und wird rot und dick. An dieser Stelle kann es beim putzen jetzt bluten und auch empfindlich sein. Da der Zahnarzt nun mit der speziell skalierten Sonde in die Zahnfleischtasche tiefer als den normalen 1mm eindringen kann, spricht man von einer erhöhter Sondierungstiefe.
  • Chronische Gingivitis: Diese Art der Gingivitis kann durch viele Faktoren entstehen: Fehlstellungen der Zähne, Schwangerschaft, Hormonschwankungen, Pubertät und auch durch allgemeine Erkrankungen. Allerdings kann sie durch gute Zahnpflege und intensiver Kontrolle der Plaquebildung vermieden werden. Regelmäßige professionelle Zahnreinigungen sind hier das A und O!
    ANUG (Akute, nekrotisierende, ulzerierende Gingivitis): Diese Erkrankung kann nur entstehen wenn bereits eine chronische Gingivitis vorliegt und Bakterien in das Gewebe eindringen. Zudem liegt meist eine allgemeine schlechte Abwehrfunktion des Körpers vor (Rauchen, Vitaminmangel, Stress). Meist tritt sie bei jungen Menschen zwischen 14 und 30 Jahren auf und beginnt oft an den Zahnfleischpapillen der Frontzähne. Die Gingiva (Zahnfleisch) beginnt leicht zu bluten, wird rot und es bildet sich eine nekrotische gelb-graue Schicht auf der Oberfläche der Gingiva – mit starkem Mundgeruch verbunden!
    Wird nicht schnell behandelt, zerfallen die Zahnfleischpapillen zwischen den Zähnen geschwulstartig und eine Negativpapille entsteht - das normale girlandenförmige Zahnfleisch liegt nun höher wie die Papille und eine Furche Zwischen den Zähnen ist frei.
    Die ANUG kann auch auf die Mundschleimhaut und den Knochen übergehen und eine Stomatitis (Mundfäule) hervorrufen! Aber meist kommen Patienten schon vorher wegen der Zahnschmerzen zum Zahnarzt.
  • Marginale Parodontitis: Wird die durch Bakterien entstandene Gingivitis nicht behandelt, ändert sich die Zusammensetzung der Plaque zu vermehrt anaeroben (ohne Sauerstoff auskommenden) Bakterienarten, die tiefer in das Gewebe vordringen. Die Bindegewebsfasern des Zahnhalteapparates werden angegriffen und lösen sich von der Zahnwurzel ab. Es bildet sich eine Tasche zwischen Zahnfleisch und Wurzel. Mann spricht vom Attachmentverlust (Attachment = Anhaften). Erreicht der Taschenboden (Sulkus) den Kieferknochen (Alveolarknochen), greifen die Bakterien auch diesen an und lösen ihn langsam auf. Der Zahn wird durch das Anschwellen des Desmodonts etwas angehoben, da die Bindegewebsfasern ihn nicht mehr fest verankern können. Ebenfalls kann auch der Zahnnerv an seinem Austrittspunkt an der Wurzelspitze infiziert werden und der Zahn stirbt langsam ab.
    In der Plaque werden nun nicht nur Mineralien, sondern auch Blutreste, Bakterien und Zellreste abgelagert. Ein schwarzer, sehr harter Zahnstein entsteht am Wurzelrand. Man spricht von Konkrementen. Schmerzen treten eher selten auf, da es keinen Flüssigkeitsstau gibt. Durch die offenen Taschen kann Sekret ohne Problem entweichen und Druck kann kaum entstehen.
  • Rezession: Rückzug des Zahnfleisches oder des Zahnhalteapparates. Die Wurzeloberfläche liegt nun frei und ist für thermische Reize und Karies viel anfälliger als die Krone mit dem Schutzmantel aus Zahnschmelz. In diesem Fall sollte man ein Stück Bindegewebe transplantieren, um den Zahn zu schützen, und die Ästhetik zu behalten. Meist wird ein Stück Bindegewebe oder Schleimhaut aus dem Gaumen entnommen und unterhalb des Zahnfleischsaums vernäht. Dieses wächst meist fest an und übernimmt die Schutzfunktion. Die ist nur eine kleinere Operation, die der Zahnarzt durchführt.

· Gelesen insgesamt : 2802 · davon heute: 5

- - - - -
Ähnliche Artikel:

letzter Artikel: Wurzelbehandlung – toter Zahn?
nächster Artikel: Abszess und Fistelbildung bei Infektion der Pulpa