Zahnersatz

Tipps zu Zahnersatz & Zahnpflege

Wurzelbehandlung – toter Zahn?

Viele kennen sie, und keiner mag sie: die Wurzelbehandlung – auch Endodontie genannt. Das bedeutet, dass dem Zahninneren der Nerv und das ganze Gewebe entfernt wird, und dieser somit als tot gilt. Er kann nun keine thermischen Reize mehr empfinden und ist auch spröder, da er sich nicht mehr ernähren kann.

Die Pulpa (Zahninnenleben mit Nerven, Gefässen …) ist der empfindlichste Teil unserer Zähne. Sie versorgt den Zahnmit Nährstoffen und Nervenbahnen und hält ihn am Leben. Kommen die Kariesbakterien in seine Nähe oder dringen in ihn ein, ist das oft mit starken Zahnschmerzen verbunden.

Die Pulpa versucht sich zu wehren und eine Hyperämie (Ausdehnung der Blutgefäße) findet statt. In dem dünnen Kanal haben die Gefäße keinen Platz sich auszudehnen, und das Zahninnenleben (Pulpa) zersetzt (Nekrose) sich langsam aber sicher. Manchmal löst es auch Entzündungen um die Wurzelspitze aus.

Der Zahnarzt bohrt ein Loch in den Zahn, bis er auf das kleine Loch der Nervenbahn trifft. Mit feinen Feilen, die aussehen wie Nadeln, wird der Nerv aus dem Zahninneren gezogen. Bei den Mahlzähnen gibt es bis zu vier Nervenbahnen, die sich alle in der Zahnkrone treffen – sie müssen alle bis an den Nervaustrittspunkt an der Wurzelspitze entfernt werden, ansonsten kann das verbliebene, tote Gewebe neue Entzündungen hervor rufen.

Bevor der Zahn wieder gefüllt wird, kommt meist ein Antibiotika enthaltendes Medikament in die Wurzelkanäle, wo sich der Nerv vorher befand. Mit diesem Medikament im Zahn wird dieser mit einem nicht sehr harten, provisorischen Zement verschlossen, dass keine weiteren Bakterien von außen eindringen können.

Der Patient kann so bis zu 6 Wochen herumlaufen, spätestens dann sollte entweder das Medikament ausgetauscht werden oder der Zahn gesäubert und endgültig gefüllt.

Bei der nächsten Sitzung, falls der Patient schmerzfrei ist, wird die provisorische Füllung entfernt und die Kanäle werden wieder mit den Feilen gesäubert und von Geweberesten und Medikament befreit.
Um den Kanal zu desinfizieren wird er mit einer Spritze mit H2O2 (Wasserstoffperoxyd), Nacl (Natriumhypochlorid) oder Chx ((Chlorhexamed) gereinigt.
Dies wird leider von der gesetzlichen Krankenkasse nicht mehr bezahlt – ist aber unverzichtbar! Ca. 20€ Eigenanteil pro Spülung.

Um die Länge der Wurzel zu bestimmen, wird ein kleines Röntgenbild gemacht, wobei die Titan-Feilen im Zahn bleiben und auf dem Röntgenbild sichtbar sind – so sieht man ob man auch am Nervaustrittspunkt angekommen ist!
Oftmals wird auch die Länge der Zahnwurzel mit einem Gerät bestimmt, welches die elektrischen Ströme messen kann, sobald die Feile den Nervaustrittspunkt am Wurzelende erreicht. Am besten werden beide Methoden angewandt, um sicher zu gehen, dass man weder zu kurz noch zu lang abfüllt – denn beides kann unerwünschte Reaktionen hervorrufen.

Mit feinen Guttaperchastiften (ein Kautschukgemisch), die es in verschiedenen Stärken gibt, wird der Zahn gefüllt. Sie werden genau abgemessen und mit einem dünnen Füllmaterial in die Kanäle eingebracht. Mit einem so genannten Spreader werden sie vertikal verpresst, bis kein Guttaperchastift mehr Platz hat.

Mit einem über der Flamme erhitzten Instrument werden nun die überstehenden Guttaperchastifte entfernt und horizontal verpresst. So ist der Kanal stabil und dicht ist. Nun wird noch eine Röntgenkontrolle gemacht, damit man sieht ob die Füllung auch dicht gelegt ist und als Nachweis für die Krankenkassen.

Der Zahn kann nun auch in der Zahnkrone eine endgültige Füllung bekommen – meist eine Aufbaufüllung, da wurzelbehandelte Zähne eine Krone erhalten sollten. Es gilt: Ein wurzelbehandelter Zahn ist nie so stabil wie ein lebender und immer etwas schwächer, da er von innen nicht mehr gestärkt und ernährt wird. Empfohlen wird, ihn immer mit einer vom Zahntechniker hergestellten Krone zu versorgen, um ihn zu stabilisieren und möglichst lange zu erhalten.


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